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	<title>ABRISSBERLIN &#187; Jenseits der Arbeit</title>
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		<title>Verflucht seist Du bis ans Ende aller Tage!</title>
		<link>http://www.abriss-berlin.de/blog/2009/04/30/aufruf-der-surfpoeten-zum-2-mai/</link>
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		<pubDate>Thu, 30 Apr 2009 12:14:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Abriss Ghost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jenseits der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Aufruf der Surfpoeten zum 2. Mai Die Berliner Lesebühne Surfpoeten (u.a.) veranstaltet am 2. Mai 2009 zum 5. Mal die „Demonstration gegen den Zwang zur Lohnarbeit“. Ein zentrales Anliegen ist der Kampf gegen die Vermüllung mit sinnlosen Produkten und gegen den Arbeitswahn. Mehr Informationen: www.geissel-der-menschheit.de. V. Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen Großkundgebung am 2. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Aufruf der Surfpoeten zum 2. Mai</strong></p>
<p>Die Berliner Lesebühne <em>Surfpoeten</em> (u.a.) veranstaltet am 2. Mai 2009 zum 5. Mal die „Demonstration gegen den Zwang zur Lohnarbeit“. Ein zentrales Anliegen ist der Kampf gegen die Vermüllung mit sinnlosen Produkten und gegen den Arbeitswahn.</p>
<p>Mehr Informationen: <a title="2. Mai-Demo 2009" href="http://www.geissel-der-menschheit.de.">www.geissel-der-menschheit.de.</a></p>
<p><strong>V. Internationaler Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen<br />
Großkundgebung am 2. Mai &#8211; Berlin, Senefelder Platz<br />
Beginn 13 Uhr</strong></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Kein Kommentar</title>
		<link>http://www.abriss-berlin.de/blog/2009/03/26/kein-kommentar/</link>
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		<pubDate>Thu, 26 Mar 2009 19:32:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Die andere Person</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jenseits der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom Arbeitsrecht erschlagen. Daniel Sebastian Schaub]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.abrissberlin.de/blog/wp-content/uploads/2009/03/vom-arbeitsrecht-erschlagen.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1008" title="vom-arbeitsrecht-erschlagen" src="http://www.abrissberlin.de/blog/wp-content/uploads/2009/03/vom-arbeitsrecht-erschlagen.jpg" alt="Vom Arbeitsrecht erschlagen" width="500" height="335" /></a></p>
<p>Vom Arbeitsrecht erschlagen.</p>
<p><em>Daniel Sebastian Schaub</em></p>
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		<title>Unvermittelt, nicht unglücklich</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Aug 2008 12:35:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ostprinzessin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jenseits der Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Netze spinnen]]></category>

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		<description><![CDATA[/unvermittelt Dazu ein Kampagnenwort von ABRISSBERLIN: Ein Arbeitsplatz gilt auch in unseren Zeiten gemeinhin als eine großartige, zumindest aber als eine notwendige Errungenschaft, der jeder Mensch zu huldigen hat, indem er einen solchen Platz in der Mitte der Gesellschaft anstrebt. Menschen, die keine Arbeit finden können und Menschen, die Lohnarbeitsverhältnisse ablehnen, gehören in der Logik [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="unvermittelt" href="http://www.unvermittelt.net"><strong>/unvermittelt</strong></a></p>
<p>Dazu ein Kampagnenwort von <strong>ABRISS</strong>BERLIN:</p>
<p>Ein Arbeitsplatz gilt auch in unseren Zeiten gemeinhin als eine großartige, zumindest aber als eine notwendige Errungenschaft, der jeder Mensch zu huldigen hat, indem er einen solchen Platz in der Mitte der Gesellschaft anstrebt. Menschen, die keine Arbeit finden können und Menschen, die Lohnarbeitsverhältnisse ablehnen, gehören in der Logik der Lohnarbeitsgesellschaft zum traurigen Rand. Wohlbemerkt zu einem stark angeschwollenen Rand.</p>
<p>Wer nicht vermittelt werden kann oder will, kommt womöglich auf dumme Gedanken. Man schaue nur einmal, was wir <em>Abriss Activists</em> mit unserer befreiten Zeit so alles anstellen. Nicht der Rauswurf aus der Lohnarbeitsgesellschaft, sondern die Integration in selbige wäre für uns der angemessenere Maulkorb. Allerdings: Wir haben dieser Art der Gesellschaft schon länger abgeschworen. Unsere Freiheit ist ein frech an den realkapitalistischen Wegesrand gepflanzter Wegweiser zum künftigen Grab der Konsum-, Fun- und Verwertungsgesellschaft.</p>
<p>Damit viele, viele andere Menschen und Märchenfiguren auf den Geschmack kommen, dem Arbeitsplatzfetisch die Lust zu verweigern und dem gesellschaftlichen Leistungsgesellschaftsspuk, der meist auch ein persönlicher Spuk ist, ein Ende zu bereiten, brauchen wir neue Definitionen.</p>
<p>Die Kampagne <a title="unvermittelt" href="http://www.unvermittelt.net">/unvermittelt</a><a title="unvermittelt" href="http://www.unvermittelt.net"> &#8211; Kampagne für einen Arbeitsbegriff jenseits von Überarbeitung und Mangel -</a> hilft uns seit dem 15.08. und noch mindestens bis zum 17.09.2008 mit allerlei Anregungen. Die <a title="Absageagentur" href="http://www.absageagentur.de">Absageagentur</a> zum Beispiel bietet einen Ausgliederungsservice, die <a title="Sabotageagentur" href="http://zufn.de/sabotageagentur/homepage/sabotageagentur.html">Sabotageagentur</a> geht &#8211; zumindest künstlerisch &#8211; noch einen Schritt weiter.</p>
<p>Wenn auch zum Start der Kampagne die Sozialsenatorin Knake-Werner (DIE LINKE) eingeladen wurde, was intern und extern zu kleinen Verstimmungen führte, wich der anfängliche Gutglaube vermutlich spätestens nach der kurzfristigen Absage der Frau Senatorin der weitreichenden Erkenntnis, dass sich selbst die (vorgeblich) <em>linken</em> (Mit-) Verantwortlichen der sozialen Miseren, der Hartz-IV-Zwangsumzüge, des <a title="Unverkäuflich gegen Privatisierung." href="http://www.unverkaeuflich.org">Ausverkaufs</a> sozialer Steuerungsmöglichkeiten und gleichzeitigen Predigerinnen der Lohnarbeitssklaverei einfach zu ungern fortbilden lassen &#8211; und man deshalb auch gleich ganz auf sie verzichten kann, darf und sollte.</p>
<p>Vielleicht wollten die Beteiligten und Initiatorinnen der /unvermittelt-Kampagne aber auch einfach nur nach außen hin den Schein wahren. Subversiv sind ihre „Praxen, Techniken, Spielräume“ zur Umdefinierung der Arbeit allemal. Und wer mit Subversion spielt, spielt mit dem Feuer. Die Kapitäne und Lenkerinnen kapitalistischer und (Möchtegern-) realsozialistischer Systemzusammenhänge reagieren auf jedewede Subversion unwirsch bis allergisch bis notorisch spielverderberisch.</p>
<p>Mehr zum Programm und den spannenden Ansätzen der Kampagne gibt es bei den Unerschrockenen, die subversiv-pragmatisch gegensteuern, so wie wir es von der <a title="workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V." href="http://www.workstation-berlin.org">workstation Ideenwerkstatt</a> her kennen und schätzen: <a title="unvermittelt" href="http://www.unvermittelt.net">/unvermittelt</a>.</p>
<p><em>/unvermittelt ist eine AG der <a title="NGBK - Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V." href="http://ngbk.de/site">NGBK Berlin e.V.</a></em></p>
<p><em>die AG, bestehend aus Danijela Cenan, Uli Ertl, Rut Waldeyer, Frauke Hehl und Nadine Wothe haben zusammen mit Barbara Loreck, Petra Spielhagen und Christine Kriegerowski, und die vielen, vielen Beteiligten haben im Januar 2008 die Kampagne /unvermittelt gestartet</em></p>
<p>Glückwunsch an die Beteiligten! Ohne Euere Arbeit wären Viele unvermittelt und unglücklicher.</p>
<p><em>The Ostprinzessin</em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Neue Sinnbezüge durch entwertete Räume</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Aug 2008 16:11:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Die andere Person</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demontage & Verfall]]></category>
		<category><![CDATA[Jenseits der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Entwertete Räume als elementarer Bestandteil zur Konstruktion neuer Sinnbezüge Eine Fläche wird abgeräumt. Und dann? Sie überwuchert oder besteht in ihrer betonierten Formprägung fort. Gebäude (-Komplexe) stehen leer. Und dann? Sie verfallen und erleben eine Metamorphose im Zeitverlauf. In beiden Fällen wird deutlich, dass etwas im Raum vorhanden ist und etwas zurückbleibt. Aber was genau? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Entwertete Räume als elementarer Bestandteil zur Konstruktion neuer Sinnbezüge</strong></p>
<p>Eine Fläche wird abgeräumt. Und dann? Sie überwuchert oder besteht in ihrer betonierten  Formprägung fort. Gebäude (-Komplexe) stehen leer. Und dann? Sie verfallen und erleben eine Metamorphose im Zeitverlauf. In beiden Fällen wird deutlich, dass etwas im Raum vorhanden ist und etwas zurückbleibt. Aber was genau? Es sind Zonen, die Angeschlagenes, Deformiertes, Entwertetes und Randständiges in sich beherbergen – Menschen, Dinge, Zustände und Situationen, die sich auf der Kehrseite des ökonomischen Wachstums bewegen und vollziehen. Solche Gebiete der Öffnungen sind geradezu prädestiniert, den Auftakt zu machen für erweiterte individuelle und gesellschaftliche Denkpositionen.</p>
<p>Soweit so gut. Nächster Bereich.</p>
<p>Wer oder was hat in der neoliberalisierten Arbeitsgesellschaft Zeit? Es sind Diejenigen, die vom ökonomischen System ausgesondert wurden und deren Reintegration in gewohnte Erwerbsarbeitsmuster oder prekäre Beschäftigung strukturell aussichtslos ist. Die eigentlich verwertbare Zeit ist allerdings für die Überflüssiggemachten nicht frei verfügbar. Sie liegt brach wie die Brachen – Zeit und Flächen bleiben ungenutzt. Staatliche Sanktionsgewalt und Medienhetze machen die Ausgesonderten zu Schuldigen und lasten ihnen die Ursachen ihrer individuellen sowie der gesellschaftlichen Misere an – der persönliche Rückzug und die soziale Isolation sind gängige Folgeerscheinungen solcher Strukturprobleme, die auf Individuen abgewälzt werden.</p>
<p>Was ist die Grundvoraussetzung für Handlungen? Es ist disponible Zeit. Umgekehrt heißt dies, wenn keine nutzbare Zeit im Raum vorhanden ist, werden auch keine Handlungen geplant – individuelle und gesellschaftliche Aktionen und Aktivitäten fallen aus. Die Niedermachung des Sozialen an sich vollzieht sich. Die staatlich installierten Mechanismen zur Liquidierung eigentlich greifbarer und verwertbarer Zeit münden schließlich in soziale Unbeweglichkeit und schmalspurige Loops. Menschen sind aber keine Autos, die man mal so einfach parken kann. Wie können also die enormen Massen an unfreier und nicht-produktiv verwerteter Zeit verfügbar gemacht werden? Indem soziale Subjekte – Initiativen, Projekte – an den entsprechenden Räumen und Menschen mit Handlung ansetzen. Denn entwertete Orte und überflüssig gemachte Menschen sind Simulationsflächen, auf denen und durch die die herkömmlichen Muster der bürgerlich-kapitalistischen Arbeitsgesellschaft durchquert und überwunden werden können. Diese Prozesshaftigkeiten ergeben sich jedoch nicht aus einer politischen Antihaltung gegenüber großflächigen Staats- und Ökonomiesystemen, sondern in erster Linie aus der puren Notwendigkeit nach Sinnsuche, um den geistigen Fortbestand von Gesellschaft zu sichern. Eine sinnvolle soziale Sicherung beginnt dort, wo das Risiko einer grundsätzlichen und radikalen Gesellschaftstransformation eingegangen wird – soziale Sicherung beginnt gerade nicht dort, wo vehement an erprobten und ehemals bewährten Strukturen bis zur Besinnungslosigkeit festgehalten wird.</p>
<p>Zahlreiche Flächen und Menschen liegen brach, doch Ödland sind sie noch lange, lange nicht. Denn gerade dadurch, dass die Gebiete und Gebäude durch eine verschobene ökonomische Logik aus der gewohnten Gesellschaftsstruktur ausgewiesen wurden, wird eine Neudeutung bezüglich des gesamten Gesellschaftsfeldes ermöglicht. Räume solcher Art stehen einer Vielzahl von Handlungen offen – der Vandalismus ist nur ein sichtbares Beispiel für die Empfänglichkeit von Modifikationen. Vandalismus ist im weitesten Sinne ein Prozess der Veränderung – wer einen Stein in ein Fenster schmeißt, verändert definitiv diesen Ort. Ob dieser Vorgang nun als ein destruktiver oder konstruktiver gilt, mag dahingestellt bleiben, aber es reicht einfach nicht aus, nur um das Zerstörte und Verlorengegangene zu trauern oder gar Versuche zu unternehmen, es wiederherstellen zu wollen.</p>
<p>Handeln lässt sich am Besten mit dem, was im sozialen Raum vorzufinden ist, alles Andere bedeutet Entfernung und Distanzierung von der eigentlichen Sache. Die Deformierung am Menschen erscheint dagegen weniger sichtbar und lässt sich nur erschwert erkennen. Von der ökonomischen Logik ausgesondert, werden die Überflüssiggemachten zu sozial entkoppelten Einzeleinheiten, deren Ruhigstellung beabsichtigt wird, indem ihre Handlungen massiv eingeschränkt werden und ihre Zeit unbenutzbar gemacht wird. Der Verlust von vertrauten Strukturen des sozialen Lebens ist aber zugleich auch eine Befreiung von diesen. Denn wofür sollten sie erhalten bleiben, wenn eine Reintegration in ein solches Lebens- bzw. Gesellschaftsmodell aussichtslos ist. Befreiung macht Platz für Neues. Neues entsteht durch Umdeutung der vorhandenen Verhältnisse.</p>
<p>Die Schnittstellen zwischen entwerteten Räumen und ausgeschlossen Menschen liegen auf der Hand. Wir kennen die Räume und wir kennen die Menschen. Alles ist bereit.</p>
<p><em>Daniel Sebastian Schaub</em></p>
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		<title>Mäh macht das Schaf, Mae macht der Manni</title>
		<link>http://www.abriss-berlin.de/blog/2008/02/07/mah-macht-das-schaf-mae-macht-der-manni/</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Feb 2008 14:33:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Abriss Ghost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jenseits der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu Gast in der Welt von Amazing Mae Inc. von Michaela Trautwein Verdammt. Die Metro fuhr gerade am Ostkreuz ein, als Manni auf der Plattform die auffällig unauffällig herumlungernden Typen entdeckte: Checker. Ein Ticket hatte Manni natürlich nicht, sowas hätte fast den gesamten Tageslohn aufgefressen, die lächerlichen neun Öre. Also schnell die Tasche umgebunden, ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zu Gast in der Welt von Amazing Mae Inc.</strong></p>
<p><em>von Michaela Trautwein</em></p>
<p>Verdammt. Die Metro fuhr gerade am Ostkreuz ein, als Manni auf der Plattform die auffällig unauffällig herumlungernden Typen entdeckte: Checker. Ein Ticket hatte Manni natürlich nicht,  sowas hätte fast den gesamten Tageslohn aufgefressen, die lächerlichen neun Öre. Also schnell die Tasche umgebunden, ein unbeteiligtes Gesicht aufgesetzt und raus. Manni fasste noch prüfend in die Jackentasche. Die Kapsel war da, eine Micro-Nebelbombe für den äußersten Notfall. Falls die Checker ihn herauspicken würden und sich nicht einfach so abschütteln ließen. Noch einmal erwischt zu werden, ging einfach nicht. Sein finanzielles Notfall-Polster war schon beim letzten Erwischtwerden draufgegangen. Nur nicht dran denken, und los. Die Türen öffneten sich und Manni schwamm in einer Traube von Aussteigenden hinaus in die Kälte, auf die Plattform. Im Vorbeigehen sah er, wie ein Typ seines Alters, mit Rasta-Haaren und quengeligem Kind, von den Checkern abgefangen wurde. Erleichtert ging Manni weiter. Nochmal Glück gehabt. Die Treppen zur oberen Plattform hinaufeilend, fiel ihm auf, wie zynisch dieser Gedanke war – froh zu sein, dass es jemand anders erwischt hatte. Oben fuhr gerade eine Metro ein, also Beeilung. Der Zwischenfall mit den Checkern hieß sowieso schon, dass Manni einen Umweg nehmen musste. Er würde zu spät auf Maßnahme auftauchen.</p>
<p>Die obere Plattform war gerammelt voll mit Wartenden, die nun alle versuchten, in die ohnehin gut bepackte Metro reinzukommen. Da er gerade erst von der Treppe kam, hatte Manni schlechte Karten. Warnton, knallende Türen, und schon setzten sich die Wagen in Bewegung, ohne ihn. Mist. Seltsam, dachte er, dass das Zuspätkommen ihn so beschäftigte. In den Jahren, in denen er jetzt schon ohne Job dastand und stattdessen, wie eine halbe Million Anderer in der Stadt, Kohle von der Firma bekam, hatte tagtägliches Frühaufstehen keine Bedeutung gehabt. Dann hatten sie ihm die Maßnahme aufgedrückt, und es war eine krasse Umstellung gewesen. Sein Biorhytmus kam nicht mehr klar. Das Aufstehen morgens klappte zwar so einigermaßen, aber entsprechend auch früher ins Bett zu kommen, das gar nicht. Die Folge waren vier bis fünf Stunden Schlaf pro Nacht, ein heftiges, ständiges Schlafdefizit. Und wofür? Für schlappe Einsfuffzich pro Stunde, gerade mal neun Öre am Tag? Nein, kein Lohn: <strong>M</strong>ehr<strong>a</strong>ufwands<strong>e</strong>ntschädigung nannte die Firma das. Dafür, den ganzen Tag über völlig fertig sein. Und dann auch noch pünktlich sein wollen: War es einfach Gefügigkeit? Mäh macht das Schaf, Mae macht der Manni. Wo auf Maßnahme doch niemand wirklich pünktliche Anwesenheit kontrollierte. Nur legten die Kollegen, seine Mitgefangenen, einigen Wert darauf, machten Witze darüber, wenn Manni wieder mal zehn Minuten später kam. Als ob das wirklich &#8216;ne Rolle spielte. Naja, es schien für den Zusammenhalt der Gruppe irgendwie &#8216;ne Bedeutung zu haben.</p>
<p>Die ordentlich bezahlten Angestellten der Amazing Mae Inc., die von der Firma für jeden zugewiesenen Joblosen ganz gut Kohle einsackten für das Organisieren verschiedener Maßnahmen, waren nämlich weit weg, schauten nur alle drei, vier Wochen mal vorbei. Wohl, weil sie zufrieden mit der Arbeit der Gruppe waren, Vertrauen in den Ablauf hatten. Von anderen Gruppen hatten sie schon gehört, dass sie täglich morgens melden mussten, wer da war und wer nicht.</p>
<p>Ein Krachen riss Manni aus seinen Gedanken und brachte ihn zurück auf die Plattform. Ein Stück weiter, aber direkt vor seinen Augen, wurde ein Shoppingcenter abgerissen. Das hatte gerade mal zehn Jahre dort gestanden, war aber anscheinend nicht gut gelaufen. Die Bauarbeiter, die hatten wenigstens reguläre Arbeit. Vielleicht sogar mit Sozialabgaben, bezahltem Urlaub und so. Oder waren diese Zeiten auf dem Bau auch schon längst passé? Manni schien es, als gehörten Festangestellte zu einer langsam aussterbenden Spezies. Denn jenseits von gut bezahlten Jobs für Hochqualifizierte wurden reguläre Arbeitsverhältnisse mit allem Drum und Dran immer seltener. Und hießen meist: Stumpfe Büroarbeit. Man konnte sein Leben auch spannender zu Grunde richten.</p>
<p>Endlich kam die nächste Metro. Manni stand nun besser auf der Plattform, zwängte sich in den Wagen. Blieb in der Nähe der Türen, denn er musste eh gleich wieder raus und zur Subway wechseln. Weiter hinten versuchte eine junge Frau, &#8216;ne Obdachlosenzeitung zu verticken, kam aber anscheinend nicht durch das Gedränge des Wagens durch.</p>
<p>Shoppingcenter zu bauen und wieder abzureißen, war das eigentlich auch nur einen Deut sinnvoller als das, was Manni&#8217;s Gruppe auf Maßnahme machte? Zu Anfang hatte Manni noch gedacht, es sei okay, Ridermaps für die Schulkids zu basteln. Es war ja auch ganz schön gefährlich, sich mit Bike durch die Stadt zu kämpfen. Es war bestimmt gut, die Kids auf die besonders kritischen Stellen hinzuweisen, vielleicht ergaben sich ja auch sicherere Routen auf Nebenstraßen mit wenig Autoverkehr. Also hatte sich Manni erstmal &#8216;ne Menge Gedanken dazu gemacht, was die Bikelanes so gefährlich macht. Und woran man Lanes und Routen erkennen könnte, die sicherer sind. Aber hatte das jemanden interessiert?</p>
<p>Da war auch schon die nächste Station, raus auf die Plattform, die Treppen runter zur Straße. Vor dem Eingang zur Subway an der Bikelane aufpassen. Diese Lane war so ein Beispiel, ständig liefen Leute drüber, ohne sich umzuschauen. Immer wieder mussten Rider scharf bremsen oder rasselten in Fußgänger rein. Aber für die Ridermap auf Maßnahme wurde die Lane einfach eingetragen, obwohl es auf der Straße vielleicht sicherer zu fahren wäre. Egal – Manni lief weiter und ab in die Subway, vorbei an fliegenden Zigarettenhändlern, die garantiert einen stressigeren Job hatten als Manni und kohlemäßig trotzdem nicht unbedingt besser dastanden.</p>
<p>Diesmal gelang es Manni, gleich in den ersten Zug reinzukommen. Die Screens in der Bahn verkündeten irgendwelchen Promiquatsch, gefolgt von Werbung für einen angeblich vollkommen sicheren neuen Suburb mit direktem Autobahnanschluss. Wer sich sowas wohl leisten konnte? Und wollte? Dann sich vielleicht doch besser mit der Firma arrangieren, gut auf die Kohle acht geben, damit noch ein bisschen was drin war für &#8216;n Konzert oder mal Party. Das Beste draus machen, auch wenn&#8217;s nichts Gutes war. So war&#8217;s auf Maßnahme letztendlich auch: Da ging&#8217;s schon längst nicht mehr darum, &#8216;ne gute Ridermap zu machen, die den Kids half, sondern darum, die Arbeit noch möglichst angenehm zu gestalten. Die von Amazing Mae schien es gar nicht zu interessieren, ob etwas wirklich Brauchbares dabei herauskam. Wie sich Sicherheit und Gefahren für Rider praktisch fassen und in der Map darstellen ließen. Oder sie waren davon schlicht überfordert, sich mehr als alle paar Wochen für ein, zwei Stunden mit der Arbeit der Gruppe auseinanderzusetzen. Hatten immerzu ausweichend reagiert, wenn es mal um Entscheidungen über die Gestaltung der Map ging, dafür aber krampfhaft an dem ursprünglichen, aber mit unbrauchbaren Fragen übersäten Erfassungsbogen für Bikelanes festgehalten. So hatte sich die Gruppe nach und nach damit arrangiert, dass einfach nur irgendeine Ridermap gebastelt werden sollte, vielleicht um der Firma gegenüber was vorweisen zu können. Aber praktischen Sinn musste sie nicht machen. Vielleicht wäre es sogar besser, wenn die Map nie an irgendwelche Schulen kommen würde, sondern stattdessen in einer Schublade verschwände. Vermissen würde sie sicherlich niemand. Nur seltsam, wenn man für sowas monatelang gearbeitet hatte.</p>
<p>Einerseits war der Mae-Kram totaler Zwang: Wer sich weigerte, eine Maßnahme anzunehmen, dem wurde die Kohle von der Firma gesperrt. Wenn man nichts mehr auf Kante hatte, war das wirklich krass. Manni hatte die Zuweisung der Firma daher als derben Eingriff in seine persönliche Freiheit erfahren. Ein Zwangsdienst wie Armee oder welcher Ersatzdienst auch immer. Diese abhängige Situation wurde dann von einigen Maßnahmenträgern wie der Amazing Mae Inc. gnadenlos ausgenutzt. Denen war es egal, ob die Leute die Maßnahme wollten oder nicht. Sie wurden auch gegen ihren Willen genommen, obwohl sie sie auch hätten ablehnen können. Die Firma war natürlich froh über alle, die dem Druck nicht Stand hielten, eher noch in absoluter Armut lebten oder allermieseste Jobs annahmen, um der Willkür zu entgehen. Und dann, als Manni seinen Jobberater bei der Firma fragte, was ihm die Maßname denn nun von erwerbsperspektivisch bringen solle, hatte der ganz offen geantwortet: Nichts, Hauptsache Sie sind beschäftigt.</p>
<p>Einer Freundin wiederum hatte ein anderer Maßnahmenträger, der im künstlerischen Bereich herumfuhrwerkte, gleich noch ein zweites Vollzeitprojekt aufdrängen wollen. Für keinen Öre mehr natürlich. Die kamen sich dabei noch wie Wohltäter vor und meinten, sie solle als Joblose mal froh sein, überhaupt &#8216;ne Maßnahme abbekommen zu haben.</p>
<p>Andererseits hatte Manni mit seiner Maßnahme auch ein Stück weit Glück im Unglück: Es ergaben sich immerhin Spielräume, mit denen er nicht gerechnet hätte. Solang keine Wichtig-Wichtig-Leute von Amazing Mae Inc. auftauchten, konnten sie sich eine laue Zeit machen: Ausgedehnt und kaffetrinkend im Aufenthaltsraum miteinander quatschen – wenn man sich denn was zu sagen hatte. Ausgedehnte Spaziergänge unternehmen, während der Arbeitszeit allen möglichen privaten Kram erledigen, Computergames auf dem Netzwerk spielen, sich über den Gebrauch freier Software austauschen. Klar, die Gruppe hatte noch außergewöhnlich gute Bedingungen. Anderswo standen Mae&#8217;ler unter ständiger Aufsicht, da wäre sowas natürlich nicht gegangen. Obwohl, dann wären Manni vielleicht die nervigen Seiten der Gruppe erspart geblieben: Wenn die Kollegen beim allmorgendlichen Beisammensitzen im Aufenthaltsraum auf Frauen, Ausländer oder Schwule zu sprechen kamen, hatte er sich am liebsten sofort an den Rechner verdrückt. Natürlich war es immer „witzig“ gemeint gewesen, was sie so sagten. Aber bestimmt nicht Mannis Humor. Irgendwann hatte er begonnen, Musik und Audiobooks mitzubringen: Über Kopfhörer gehört, blendete sich alles um ihn herum aus.</p>
<p>Endlich kam die Subway an der Station an. Immerhin &#8216;ne Viertelstunde zu spät, nur wegen der Checker in der Metro. Manni ging die letzten paar hundert Meter zu der alten Plattenbau-Kita, die sicherlich einige Jahre leergestanden hatte, bevor man die Mae-Gruppen dort untergebracht hatte. Im Gebüsch am Wegesrand wuselte gerade auch so &#8216;ne bunte Truppe herum: Müll auflesen, Grünzeug schnippeln, Boden harken. Alle auf Maßnahme, bis auf eine Person, die vom Fach war und die Motorsense bedienen durfte. Von seiner Gruppe wusste Manni immerhin, dass es allesamt Leute mit Berufsausbildung waren. Nur vielleicht nicht die allererste Sahne auf dem Arbeitsmarkt. Das reichte oft schon, um auf Dauer rauszufallen und früher oder später auf Maßnahme zu landen. Jetzt kam Manni an der Verkehrsschule vorbei, wo die Kids von einem Polizisten und &#8216;nem halben Dutzend Joblosen betreut wurden. Auf Schritt und tritt begegnete man hier Mae&#8217;lern, man musste nur einmal darauf aufmerksam werden.</p>
<p>Klar, die Maßnahmen-Welt war reichlich bescheuert und Manni ärgerte sich darüber, von der Firma dazu gezwungen zu werden: Aber die Mae-Jobs waren bei Vielen erstaunlich begehrt. Schlicht und einfach, weil die normale Joblosen-Kohle für den Lebensunterhalt hinten und vorne nicht reichte, das bisschen Mae-Geld also dringend benötigt wurde. Und immerhin hieß &#8216;ne Mae, meist, wenn auch nicht immer, von noch unangenehmeren Maßnahmen der Firma weitgehend verschont zu werden. Zumindest für sechs Monate. Andererseits: Was hätte Manni alles in sechs Monaten auf die Beine stellen können? Seine Wohnung komplett renovieren vielleicht. Endlich mal Gitarre spielen oder Russisch lernen. Vielleicht ja auch eine Weiterbildung, womöglich eine mit Sinn, aber da war es sehr schwer heranzukommen. Oder mit Freunden ein kleines Unternehmen aufziehen. Obwohl, wie sollte das gehen, ohne Startkapital&#8230;, also nicht weiter drüber nachdenken.</p>
<p>Manni erreichte den Eingang der früheren Kita, öffnete die Tür und tauchte ein in die seltsame Welt von Amazing Mae.</p>
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		<title>SPD überflüssig</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Oct 2007 11:21:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Der Böse Wolf</dc:creator>
				<category><![CDATA[Abbau Soziale Stadt]]></category>
		<category><![CDATA[Jenseits der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[ÜBERFLÜSSIGE plakatieren SPD als überflüssig! Mit Großplakaten vor dem Willy-Brandt-Haus der SPD haben Aktivistinnen und Aktivisten verschiedener Gruppen der Sozialprotestbewegung die SPD heute für überflüssig erklärt. Die überdimensionalen Plakate mit dem Slogan „So ist die SPD überflüssig – erklären 7 Millionen ausgegrenzte HartzIVler, Prekarisierte und die von Alters- und Kinderarmut Betroffenen“ wurden vor dem Haupteingang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Die Überflüssigen" href="http://www.ueberfluessig.tk">ÜBERFLÜSSIGE</a> plakatieren SPD als überflüssig!</p>
<p>Mit Großplakaten vor dem Willy-Brandt-Haus der SPD haben Aktivistinnen und Aktivisten verschiedener Gruppen der Sozialprotestbewegung die SPD heute für überflüssig erklärt. Die überdimensionalen Plakate mit dem Slogan „So ist die SPD überflüssig – erklären 7 Millionen ausgegrenzte HartzIVler, Prekarisierte und die von Alters- und Kinderarmut Betroffenen“ wurden vor dem Haupteingang der SPD-Zentrale aufgestellt.</p>
<p>Diese Aktion attackiert die jüngsten SPD-Parteitagsbeschlüsse zur Sozial- und Arbeitsmarktpolitik als neoliberalen Sozialdemokratismus, der schröderisch-kaltschnäuzig geblieben sei. Führende Sozialdemokraten haben erklärt, beim ALG I gebe es eine „gefühlte Gerechtigkeitslücke“ &#8211; ohne zu begreifen, dass es eine reale Gerechtigkeitslücke gibt: Die ALG I-Debatte lenkt davon ab, dass ALG II nicht für ein menschenwürdiges Leben ausreicht. Die Verlängerung des ALG I für Ältere kann deshalb den rapiden Glaubwürdigkeitsverlust der SPD nicht stoppen. Die SPD benimmt sich wie ein Quacksalber, der auf eine klaffende Wunde ein lächerliches Pflaster pappt.</p>
<p>Solange die SPD nicht selbst die Agenda2010-Politik als gigantisches Täuschungsprojekt zurücknimmt, solange sie Menschen mit HartzIV-Regelsätzen, die zum Leben nicht reichen, stiefeltreterisch traktiert, solange sie mit Zwangsumzügen millionenfache Ängste schürt, solange sie 2,3 Millionen Kinder verarmen lässt, solange sie mit bürokratischen Kontrollen Menschen entwürdigt, solange für die SPD nur der Mensch ein Mensch ist, der sich arbeitsmarktpolitisch „rechnet“ &#8211; solange bleibt die SPD überflüssig.</p>
<p>Die Aktion „Soo ist die SPD überflüssig“ findet im Zusammenhang mit einem dezentralen Aktionstag der Sozialprotest-Initiativen in 37 Städten statt. Die Spannbreite der Aktionen reicht von Demontrationen, „Besuchen“ von Arbeitsagenturen, Aktionen gegen die Rekrutierung von Soldaten in Arbeitsagenturen und Schulen bis hin zu Abgeordneten-Beobachtung.</p>
<p><em>Prof. Dr. Peter Grottian, Rainer Wahls, Benedict Ugarte Chacón</em></p>
<p><a title="Überflüssige vor dem Willy-Brandt-Haus, Foto: Burkhard Lange" href="http://www.abriss-berlin.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/%C3%9Cberfl%C3%BCssige%20vor%20dem%20Willy-Brandt-Haus,%20Foto%20Burkhard%20Lange.JPG"><img id="image506" src="http://www.abriss-berlin.de/blog/wp-content/uploads/2007/10/%C3%9Cberfl%C3%BCssige%20vor%20dem%20Willy-Brandt-Haus,%20Foto%20Burkhard%20Lange.thumbnail.JPG" alt="Ã�berflÃ¼ssige vor dem Willy-Brandt-Haus, Foto: Burkhard Lange" /></a></p>
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		<title>Abgesang: Callcenter-Arbeit</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Oct 2007 11:52:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kaiserin des Westens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jenseits der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Durchschnittslohn in Berliner Callcentern liegt bei 7 Euro. Das neue Quelle Callcenter liegt somit darunter. Im Vergleich zu dem alten Quelle Callcenter haben sich die Arbeitsbedingungen insgesamt erheblich verschlechtert. Etwa ein Fünftel der alten Belegschaft hat die neuen Verträge nicht angenommen. Der Callcenter-Bereich verspricht eine hohe Rendite auf dem Rücken von Billiglohn-Beschäftigten. Oft wurden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/65931134a370c70ba10c4cc83e8c5c" alt="" width="1" height="1" />Der Durchschnittslohn in Berliner Callcentern liegt bei 7 Euro. Das neue Quelle Callcenter liegt somit darunter. Im Vergleich zu dem alten Quelle Callcenter haben sich die Arbeitsbedingungen insgesamt erheblich verschlechtert. Etwa ein Fünftel der alten Belegschaft hat die neuen Verträge nicht angenommen. Der Callcenter-Bereich verspricht eine hohe Rendite auf dem Rücken von Billiglohn-Beschäftigten. Oft wurden die Löhne in den letzten Jahren massiv gedrückt. Grundsätzlich sind die Arbeitsbedingungen prekär, die Löhne niedrig, das Arbeitsrecht wird unterlaufen und immer herrscht eine innerbetriebliche Kontrolle, die einen erschaudern läßt.</p>
<p>Das Problem ist, dass hauseigene Callcenter der Konzerne auch zunehmend für andere Firmen arbeiten, daher ist der Umfang von Boykott-Möglichkeiten gegen die Produkte aller beteiligten Firmen nicht einfach zu ermitteln. Über zehntausend Menschen arbeiten in Berlin in Callcenter-Jobs. Seit Juli 2007 heißt Quelle Arcandor. Arcandor gehören heute: Karstadt mit KaDeWe, Wertheim, Alsterhaus, Karstadt Sport, Restaurants LeBuffet; Primondo Versandhandel für Quelle, Walz, Hess Natur, Happy Size, Bogner Homeshopping, Vertbaudet, Teleshopping, HSE 24 und der Online-Versand neckermann.de; in der Touristik Thomas Cook, Neckermann Reisen, Bucher Reisen. Sie ist mit 52% an Lufthansa beteiligt. Arcandor schreibt sich Nachhaltigkeit und soziales Engagement auf die Homepage. Um in der Öffentlichkeit nicht mit den katastrophalen Arbeitsbedingungen in Verbindung gebracht zu werden, gab Arcandor Produktion, Einkauf, Qualitätskontrollen und Import komplett nach China, an das weltweit größte Beschaffungsunternehmen Li &amp; Fung, Hongkong. Li &amp; Fung spürt für sie in aller Welt die billigsten Produzenten auf. Eine Einkaufspreisreduktion um 10 % und ein Importvolumen von über 2 Milliarden Euro pro Jahr werden angestrebt. Der Konzern schreibt nach einem Verlust von 316 Mio. EUR im Jahr 2005, im Jahr 2006 einen Gewinn von 346 Mio. EUR.</p>
<p>Es ist sehr wahrscheinlich, daß Quelle für das neue Callcenter und die Schaffung noch billigerer Arbeitsplätze finanzielle Investitionshilfen des Senats erhalten hat. Wie &#8220;Berlin Partner&#8221;, die in Berlin die Unternehmen über Förderungen beraten, mitteilte, wurde von Quelle in dieser Angelegenheit Stillschweigen vertraglich gewünscht. Aus dem Hause Quelle gab es dazu ebenfalls kein Statement. Diese Investitionshilfen sind Steuermittel aus Land und Bund. Der Steuerzahler subventioniert hiermit diese Form der Ausbeutung zugunsten der Gewinnsteigerung des Konzerns. Die öffentlichen Fördermittel müssen nicht offengelegt werden, sondern sind geheim. Eine seltsame Art, Steuergelder zu verwalten. Auch gibt es bei dem Vergabekatalog keine sozialen oder auch ökologischen Kriterien und da es hierzulande auch keinen Mindestlohn gibt, stehen dem Mißbrauch die Türen offen. Das einzige Kriterium ist das Schaffen von Dauerarbeitsplätzen auf mindestens 5 Jahre, egal zu welchem Preis. Die Kontrolle muß auch hier sehr lax sein, denn sonst würde aus den Verträgen sehr schnell klar, daß die Arbeitsplätze vielleicht 5 Jahre bestehen, aber die Beschäftigten sind nur Durchlaufmaterial.</p>
<p><em>Malah Helman</em></p>
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		<title>Mein Arbeitsplatz im Quelle-Callcenter</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Oct 2007 10:02:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Abriss Ghost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jenseits der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich möchte kurz berichten, was ich die letzten Monate bei meiner Jobsuche erlebt habe. Bei meiner Biographie, mit mehreren Ausbildungen &#8211; aber ohne Berufspraxis &#8211; wird man mit Mitte 20 schon irritiert und verständnislos angesehen. Ich bewarb mich also bei diversen Berliner Zeitarbeitsfirmen und privaten Arbeitsvermittlern. Da sich der Arbeitsmarkt zunehmend flexibilisiert, expandieren auch die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich möchte kurz berichten, was ich die letzten Monate bei meiner Jobsuche erlebt habe. Bei meiner Biographie, mit mehreren Ausbildungen &#8211; aber ohne Berufspraxis &#8211; wird man mit Mitte 20 schon irritiert und verständnislos angesehen. Ich bewarb mich also bei diversen Berliner Zeitarbeitsfirmen und privaten Arbeitsvermittlern. Da sich der Arbeitsmarkt zunehmend flexibilisiert, expandieren auch die Zeitarbeitsfirmen, die die Arbeitnehmer zeitweise verleihen. Gerade in Berlin profitieren diese Firmen von der hohen Arbeitslosigkeit und der allgemein herrschenden Armut in Teilen der Bevölkerung. Und so entstand ein ausgeklügeltes System, von dem mitunter nur eine Seite profitiert.</p>
<p>Private Arbeitsvermittler erhalten eine Vermittlungspauschale von 2.000 € vom Arbeitsamt und vermitteln einen meist an Zeitarbeitsfirmen weiter. Diese zahlen Löhne, die fast immer niedriger sind als bei den anderen Angestellten. Da die meisten dieser Arbeitsplätze befristet sind oder auf Grund der schlechten Konditionen eine hohe Fluktuation aufweisen, ist das Einkommen dieser Firmen gesichert. Schon in den Annoncen in der Zeitung wird oft ein falscher Eindruck vom zu vergebenden Job vermittelt, z.B dauerhafte Position und gute Bezahlung &#8211; heißt in Wirklichkeit: Ein paar Monate befristet, 6 € brutto pro Stunde, Pausen werden nicht bezahlt, keinen Urlaub während der 6 Monate Probezeit, sowie Schichtarbeit in der Zeit von 6-24 Uhr, von Montag bis Sonntag. Man nutzt einfach die Not der Bewerber aus, denn auch für diese Konditionen finden sich noch genügend Bewerber und es werden große Auswahltests veranstaltet. Wer genommen wird, darf sich als Auserwählter fühlen. Oft geht es wie am Fließband zu. Das Bewerbungsgespräch ist total unpersönlich, weil gleichzeitig noch drei Mitarbeiter mit anderen Bewerbern im Raum sind und die nächsten auch schon vor der Tür stehen.</p>
<p>Seit mehreren Monaten arbeite ich nun in dem neuen Quelle Callcenter. Dort arbeiten Studenten, Leute, die nach der Ausbildung keinen Job gefunden haben und andere, die schon Ende 40 sind und einfach keinen anderen Job mehr finden. Alle eint mehr oder weniger, dass sie Verlierer in dieser Leistungsgesellschaft sind &#8211; die Einen, weil sie einfach ausgelaugt sind und durch lange Arbeitslosigkeit kaum noch Chancen haben und Andere, weil sie keine besonderen Qualifikationen oder Zeugnisse haben, oder sich einfach nicht so gut „verkaufen“ können. Erschreckend ist aber auch, dass Einige alles einfach so hinnehmen und sich einfach fügen, unter dem Motto: „Man kann ja eh nichts ändern, das ist halt so.“ Die Arbeitszeit beträgt bei den meisten 30 Stunden pro Woche. Die Stundenlöhne sind so niedrig, dass Einige gezwungen sind, zusätzlich Hartz4 zu beantragen, um überhaupt über die Runden zu kommen und die Meisten haben nur befristete Arbeitsverträge über 6 Monate. Jeder Mitarbeiter bekommt einen Chip, mit dem er die Türen passieren kann und man wird registriert, egal wo man sich im Gebäude befindet. Die Arbeitszeiten müssen auf die Minute genau eingehalten werden, es ist vorgegeben, wann man seine Pause zu nehmen hat. Dadurch ist es schwierig, Andere näher kennenzulernen, weil man selten zur gleichen Zeit Pause hat. Bei 6 Stunden Arbeitszeit hat man ½ Stunde „große Pause“ und 20 Minuten Bildschirmpause, von der man allerdings nur 10 Minuten pro Stunde nehmen darf.</p>
<p>Nach den 6 Stunden ist man so geschafft, als hätte man viel länger gearbeitet. Auch die Schichtarbeit ist anstrengend. Öfters fängt man schon um 7 Uhr an und muss sehr früh aufstehen, oder man kommt abends erst nach Mitternacht nach Hause. Man muss sich unbedingt an Standardformulierungen halten und alle Konjunktive aus seinem Wortschatz streichen. Die Telefonate an sich laufen immer nach dem gleichen Schema, die meisten Kunden sind nett, wenn da nicht diese Vorgaben wären, pro Stunde einen bestimmten Schnitt zu erreichen und möglichst zusätzliche Artikel zu verkaufen. Ein System erfasst genau, wieviel jeder Mitarbeiter am Tag geschafft hat. Durch die sich immer wiederholenden Formulierungen wird es schnell sehr eintönig. Öfters gibt es sog. Mysterycalls, d.h. es werden fingierte Anrufe getätigt, um zu überprüfen, ob man sich auch genau an die Standardformulierungen hält und freundlich ist. Kopfschmerzen sind nicht selten und in Spitzenzeiten kommt ein Anruf nach dem andern und man muss natürlich immer freundlich sein. Dadurch, dass man nach Beendigung eines Gesprächs meistens sofort einen neuen Kunden in der Leitung hat, kann man schon von Akkordarbeit sprechen.</p>
<p>Trotz all dieser Umstände möchte ich aber auch erwähnen, dass auch mal gelacht wird und die Meisten locker miteinander umgehen &#8211; Teamleiter mit eingeschlossen &#8211; und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Jede Woche fangen neue Gruppen von Mitarbeitern an und es werden über Annoncen in Zeitungen und im Internet ständig neue Mitarbeiter gesucht, denn auch die Zahl derer, die aufhören, ist hoch. Viele machen den Job nur ein paar Monate. Im Center sollen einmal über 1.000 Menschen arbeiten, zur Zeit sind es etwa 700. Wir gehen mit großen Schritten auf Weihnachten zu, das mehr und mehr dem Konsumwahn zum Opfer fällt, und die Manager von Quelle &#8211; natürlich auch alle anderen Händler &#8211; denken nur an Umsatz. Für die Mitarbeiter im Center heißt das noch mehr Arbeit und Überstunden, die Einige sogar machen möchten, um ihren kläglichen Lohn aufzubessern. Mich erschreckt, dass man eigentlich nur eine Nummer ist, eine Ware, die zu möglichst günstigen Konditionen Leistung erbringen muss und beliebig ausgetauscht werden kann.</p>
<p><em>F.</em></p>
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		<title>Der Konsument</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Oct 2007 20:20:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Die andere Person</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jenseits der Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Konsument versus Bewegung? Die momentane Gesellschaftsdynamik drückt sich darin aus, dass unsere habitualisierten Denk- und Wahrnehmungsmuster &#8211; bezüglich der Deutung von Welt &#8211; mit den alltäglichen Zuständen und Situationen, auf die wir treffen, bzw. mit denen wir konfrontiert sind, kollidieren. Hierdurch ergibt sich eine direkt spürbare Ambivalenz, die deutlich werden lässt, dass etwas nicht mehr [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Konsument versus Bewegung?</strong></p>
<p>Die momentane Gesellschaftsdynamik drückt sich darin aus, dass unsere habitualisierten Denk- und Wahrnehmungsmuster &#8211; bezüglich der Deutung von Welt &#8211; mit den alltäglichen Zuständen und Situationen, auf die wir treffen, bzw. mit denen wir konfrontiert sind, kollidieren. Hierdurch ergibt sich eine direkt spürbare Ambivalenz, die deutlich werden lässt, dass etwas nicht mehr so ist, wie es mal war. Anders gesagt: Die Kräfte im sozialen Feld haben sich verschoben, was mit Dysfunktionen einst stabiler Konstruktionen &#8211; im Sozialen &#8211; einhergeht.</p>
<p>Was heißt das nun konkret? Es bedeutet, dass sich das Bewusstsein, bzw. der Glaube an eine bessere Zukunft, tendenziell erschöpft hat. Die Option der Projektion, dass es nämlich heilsame Zustände in der Zukunft geben könnte, die für die Erduldung des erlebten Leids entschädigen, hat sich quasi erledigt.</p>
<p>Der Verlust an sozialer Sicherung, bzw. die Unplanbarkeit der Zukunft, bewirkt eine unmerkliche &#8211; aber nicht unerhebliche &#8211; Verschiebung im gesellschaftlichen Bewusstsein und im sozialen Verhalten. Ins Besondere äußert sich dies in den Bedeutungsverlagerungen herrschender Gegebenheiten, kurz: Gesellschaftlicher Wandel drückt sich in veränderten Handlungs- und  Deutungsmodi aus, die sich ungeplant &#8211; aber strukturiert &#8211; im sozialen Feld bewegen. Wenn also das Bewusstsein und der Sinn für Zukunft an Raum einbüßen, dann entstehen leere Flächen, die dem Momentanen sowie Vergangenen überproportional Einhalt gebieten. Mit dem Bedeutungszuwachs des Gegenwärtigen gewinnen die kurzweiligen Bedürfnisbefriedigungen durch Konsum an Zentralität.</p>
<p>Der Konsum von Dingen ist so verlockend &#8211; er verdeckt so sehr den Verlust an produktiver Illusion bzw. die bestehende Traurigkeit. Ablenkung benötigt man in erster Linie dann, wenn die Dinge, die man tut, nur wenig Identifikationsgrade mit den eigenen Denkvorstellungen aufweisen. Schließlich muss die Spaltung &#8211; das Loch der Traurigkeit &#8211; gut gefüllt werden, stetig und immerzu sogar, denn versiegeln lässt sich so ein Zustand nicht.</p>
<p>Die Prekarisierten, Allen voran die Überflüssigen als deren Speerspitze, bewegen bzw. befinden sich in gesellschaftlichen Zonen, die durch Prozesse der Entkopplung gekennzeichnet sind. Sie stellen das Neue bzw. das Andere im gesellschaftlichen Raum dar, das dem Anschein nach anderswo herkommt – der Zustand bzw. die soziale Lage wird eben nicht als Kehrseite der offensichtlichen Dominanzverhältnisse der kapitalistischen Produktionsweise begriffen, kurz: Die Ursachen für den Ausschluss müssen im Zentrum der gesellschaftlichen Organisation gesucht werden und nicht an den Orten ihrer Erscheinung!</p>
<p>Unsere Wahrnehmungs- und Deutungsmuster sind vom kapitalistischen Denken durchdrungen – darin besteht Einheit. Demnach müssen wir uns Alle als Teil des kapitalistischen Apparats begreifen – sich diesem entziehen zu wollen, würde bedeuten, sich des Selbsts zu entledigen. Konkret heißt dies: Auch wenn die Überflüssigen über die kapitalistische Maschinerie nicht mehr auf direkte Weise ausgebeutet werden können, so sind sie indirekt nach wie vor an die Logik dieser gebunden. Zum Einen ist es die ökonomische Durchdrungenheit der Sicht, die die Überflüssigen überhaupt erst überflüssig macht, zum Anderen werden sie auf Grund ihrer prekären Lage im Gesellschaftssystem zum Konsumenten schlechthin. Demzufolge bleiben sie in ihrer sozialen Ausgegrenztheit stets mit der kapitalistischen Konsumproduktion verwoben. Im Grunde sind sie viel stärker an den (Billig-)Konsum gebunden, da er nicht selten das Einzige ist, was noch bleibt.</p>
<p>Mit den Überflüssigen lässt sich ein dreifacher Entfremdungsprozess auf Grundlage kapitalistischer Produktionsweise aufzeigen: Die erste Entfremdung ergibt sich aus dem Umstand, dass Lohnabhängige nichts mehr mit dem Produkt zu tun haben, das sie produzieren. Sie leisten einen Beitrag, der sich unabhängig von ihnen in einen Gesamtprozess einfügt. Dabei steht der Arbeitslohn in keinem Verhältnis zum Produktwert, kurz: Durch die Ausbeutung im Modus der Lohnarbeit kann ein Mehrwert produziert werden, der das System manifestiert, indem er reinvestiert wird. Die zweite Entfremdung findet darüber statt, dass Personen nicht mehr vom Markt gebraucht werden, da sie aus ökonomischer Sicht nicht mehr zur Ausbeutung zu verwerten sind. Mit diesem Prozess gehen die sozialen Entkopplungsprozesse einher, die sich in unterschiedlichen Formen von Prekarität äußern. Der dritte Entfremdungsprozess nimmt Bezug auf die soziale Entfremdung, sprich: Nichts mehr mit sich selbst zu tun haben. Was bleibt einem in so einem Fall dann noch? (Billig-)Konsum durch staatliche Transfergelder? Das wäre dann der Totale Konsument – absolut an den Marktmodus gebunden, dreifach entfremdet, sozial entwertet und in dem Bewusstsein verweilend, selbst für die Misere verantwortlich zu sein. Genau diese Vorgänge werden durch die Neoliberalisierung des Gesellschaftskörpers weiter vorangetrieben.</p>
<p>Prekarität soll hier aber nicht nur als eine Zumutung begriffen werden, sondern die sich aus ihr ergebenden Handlungsressourcen müssen herausgestellt werden, kurz: Prekarisierung bedeutet nicht nur Gefahr, sondern birgt Optionen neuer sozialer Ordnungsmomente in sich (Neukonfigurationen). Gerade weil sich die erworbenen habitualisierten Deutungen im praktischen Geschehen in Irritationen erschöpfen, entstehen Momente des Fragens! So wirken die Umbruchprozesse – Entbindung und Haltlosigkeit, eine Art Schweben im luftleeren Raum – als ein Feld, auf dem Potentiale für Neues gedeutet und schließlich verfügbar gemacht werden können. Aus dieser Sicht betrachtet, ermuntert das Losgelöstsein zum Experimentieren. Hiermit können sich Spielräume für innovative Akteure (individuell sowie kollektiv) ergeben, kurz: Prozesse der Entstrukturierung als Testgelände für das Soziale nutzen. Die Effekte der Entstrukturierung könnten demnach eine Reduktion des momentanen Ordnungszusammenhangs bewirken und eine Art „offenen Raum“ schaffen.</p>
<p>Es ist also keineswegs so, dass es keine Lösungswege aus dieser Krise, die sich in mangelnder sozialer Integrationskraft niederschlägt, gäbe. Unsere gewohnten Denkmuster können sehr wohl durch „symbolische Revolutionen“ in ihrer Ordnung modifiziert werden. Allerdings sind Veränderungen im praktischen Handeln hierfür eine wichtige Voraussetzung. In einer Zeitphase, in der die soziale Kohäsion destabilisiert ist, wodurch fragile Momente von Leben und Arbeiten entstehen, kommt es zur Prekarisierung bzw. Freisetzung verschiedenster Personengruppen. Doch wo und wer sind diese Personen, die so zahlreich in unterschiedlicher Weise in Bewegung geraten? Denn mit dem Begriff der „Gruppe“ lassen sie sich nicht beschreiben. Diese Bezeichnung wäre verfehlt, da sich die Prekarisierten sowie die Überflüssigen aus unterschiedlichsten Quellen speisen. Sie sind also keine einheitliche Masse, die sich auch nicht als Masse begreift oder verständigen könnte, da es gar kein gemeinsames Bewusstsein gibt. Dieses fehlende gemeinsame Bewusstsein ist dann auch genau das Problem, da sich in der Vereinzelung der Lagen nichts Gesellschaftsrelevantes bewegen kann.</p>
<p>So wird mit den Überflüssigen nicht nur der Begriff des Dienens obsolet, sondern auch der des Klassenkampfes. Selbst wenn es nie eine Revolution oder eine Klasse, der man revolutionäres Bewusstsein zugeschrieben hätte, gegeben haben sollte, so wird es zumindest in Zukunft keine mehr geben, auf die sich eine solche Annahme projizieren lassen würde. Traditionell schrieb man dem Proletariat die revolutionäre Kraft zu, da es arbeitete, um sich und seinen Kindern eine bessere Zukunft zu gestalten. Sie waren also Diejenigen, die in Bewegung blieben, da sie ihre Position im sozialen Gefüge verbessern konnten. Jedoch hat sich die konservierende Haltung der Oberen bis weit in die Mitte der Gesellschaft ausgeweitet, was zur Folge hat, dass es nicht mehr um eine bessere Zukunft geht, sondern vielmehr um den Status Quo!</p>
<p>Wenn wir also heute den Blick auf die Gesellschaft richten und uns die Frage stellen, wo sich im sozialen Gefüge etwas bewegen kann, so werden wir auf zahlreiche Einzellagen treffen, die unvermittelt nebeneinander stehen. Das Defizit besteht also in der mangelnden Verknüpfung und nicht in der mangelnden Kompetenz, gemeinsame Bewegungen zu gestalten! Somit liegt die Gefahr darin, dass die Momente des Experimentierens – auf der Grundlage von Freiräumen – zu keinem gesellschaftsrelevanten Ergebnis führen und daher die Gesellschaft nicht in Bewegung gerät.</p>
<p>Zusammenfassend kann festgehalten werden: In den Prekarisierten und Überflüssigen liegt zum Einen die Gefahr, das diese zu Totalen Konsumenten reduziert werden, zum Anderen verkörpern sie die Option gesellschaftlicher Bewegungen, deren Potenzialitäten &#8211; jedenfalls mit unseren gewohnten Denkweisen – nicht recht zu erkennen sind. Demnach breitet sich mit dem Steigen der sozialen Verwundbarkeiten kein revolutionäres Bewusstsein aus, sondern vielmehr der unmerkliche Wille, reaktionär zu sein. Dem gilt es entgegenzuwirken! Damit sich Verhältnisse grundlegend ändern, sind Bewegungen von unten in der Gesellschaft unabdingbar. Diese Bewegungen ergeben sich historisch betrachtet aus gemeinsamen Lagen und Zielsetzungen. Demnach müsste die Frage, ob es eine Bewegung aus der Gesellschaft heraus geben könnte, die Einfluss auf das soziale Wandlungsgeschehen nähme, verneint werden.</p>
<p>Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob den Machenschaften der grauen Männlichkeit &#8211; im neoliberalen Fahrtwind &#8211; überhaupt etwas Potentielles in den Weg gestellt werden kann, oder ob sich der Sektor der gesellschaftlichen Disqualifizierung auch weiterhin vergrößert – und diese Vergrößerung weiterhin nicht als Größe (im doppelten Sinne) gedeutet werden kann. Wenn wir den erprobten Mustern in Denken und Handeln verhaftet bleiben, steht der brutalen männlichen Herrschaft, die uns einverleibt wurde, nichts entgegen. Wir würden uns quasi weiterhin unterwerfen.</p>
<p>Ich unterwerfe mich ja so gerne. Und ihr?</p>
<p><em>Daniel Sebastian Schaub</em></p>
<p><a class="imagelink" title="Der Konsument" href="http://www.abrissberlin.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/Der%20Konsument.jpg"><img id="image435" src="http://www.abrissberlin.de/blog/wp-content/uploads/2007/09/Der%20Konsument.thumbnail.jpg" alt="Der Konsument" /></a></p>
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